Jedem seine Wolke?

Der Admartinator hat sie, der Nasendackel hat sie und der Sascha hat sie auch: Die eigene Cloud.

Aber von Anfang an. Seitdem Google angekündigt hat, den RSS Dienst Google Reader im Sommer einzustellen konnte man vermehrt lesen, dass man doch am Besten alles selber macht anstatt sich von Produkten aus Mountain View abhängig zu machen, auf deren Gelingen und Fortbestehen man keinerlei Einfluss hat.

So weit so richtig. Unabhängig davon, welchen Dienst von welchem Anbieter man nutzt und unabhängig davon, ob dieser gratis angeboten wird oder kostenpflichtig ist, eine Garantie dafür, dass dieser dauerhaft bestehen wird gibt es nie.

Schnell nach bekanntwerden des kommenden Endes des Google Reader erschienen dutzende Artikel über alternative RSS Dienste. Immer mit dabei Fever, ein kostenpflichtiger RSS Aggregator, den man selber hosten kann/darf/muss. Und wenn man schon dabei ist kann man auch noch schnell ownCloud installieren und ist plötzlich ganz autark im www.

Generell finde ich das alles eine ganz gute Idee und für technisch versierte Menschen wie die drei oben genannten ist wahrscheinlich weder Installation, noch Aktualisierung und Pflege eines solchen serverseiten Systems ein Problem. Aber gilt das auch für den Durchschnittsnutzer? Brauchen wir heute alle unsere eigene digitale Wolke?

Die entscheidenden Faktoren sind hier meiner Meinung nach Preis, Sicherheit und Machbarkeit.


Der Preis

Alle bekannten Cloud-Speicher Anbieter locken mit gratis Speicherplatz.
Dropbox mit 2GB, erweiterbar auf bis zu 16GB, wenn man Dropbox nur genug neue Nutzer beschert. Microsofts Skydrive kommt mit 7GB kostenfreiem Speicher und GoogleDrive bietet 5GB.

Für einen Cloud-Speicher mit 100GB (kleinster gemeinsamer Nenner) bezahlt man in Jahr zur Zeit folgendes:

  • Dropbox: 120$
  • Skydrive: 40$
  • GoogleDrive: 60$

Möchte man Herr seiner eigenen Cloud sein fallen selbstverständlich auch Gebühren fürs Hosting, etc. an. Ich führe hier nur zwei Webhoster als Beispiel an.
One.com benutze ich selbst und Domainfactory wurde in der regen Diskussion auf ADN immer wieder genannt.

  • One.com: 120GB / 9.80€ / Monat
  • Domainfactory.eu: 100GB / 13.95€ / Monat

Hierzu kommen noch Gebühren für ssl Zertifikate.

Preislich gewinnen also Dropbox. & Co.

Es sollte aber angemerkt werden, dass sämtlicher Webspace von One.com automatisch auch als Cloud-Speicher verwendet werden kann. Man kann beliebig viele CloudDrives einrichten, die sich den verfügbaren Speicher Teilen. So kann man leicht eine Familien-Cloud einrichten und Onkel Willy und Tante Erna ihre eigene Daten-Wolke zur Verfügung stellen, ohne dass ein nennenswerter administrativer Aufwand entsteht. Mac- und Windows Desktop Software und eine iOS App für Ones CloudDrive gibt es natürlich auch.


Die Sicherheit

Wenn Sicherheit als Argument gebracht wird fällt mir immer wieder ein Foreneintrag von vor ein paar Jahren ein.

Er: Welches Linux brauch ich denn für ’nen Webserver?
Ich: Was hast Du vor?
Er: Selber ’nen Webshop hosten.
Ich: Warum willst du selber einen Webshop hosten?
Er: Wegen der Sicherheit.
Ich: Ein Webshop gehostet auf einem alten PC in der Abstellkammer von jemand der noch nie zuvor selber eine Seite gehostet hat? Wegen der Sicherheit???

Alle renommierten Cloud-Dienste sind davon abhängig, dass sie größtmögliche Datensicherheit bieten. Sie alle haben ein vitales Interesse daran, dass ihre Dienste so sicher wie nur irgend möglich sind und werden alles daran setzen Sicherheitslücken so schnell es geht zu schliessen. Und es gibt immer Sicherheitslücken.
Diese Lücken wird es auch bei ownCloud geben und auch diese Lücken werden geschlossen werden. Nur ist es hier leider so, dass der Nutzer dafür verantwortlich ist die Software auf dem eigenen Server auf dem aktuellsten Stand zu halten. Technisch versierte Nutzer machen das – bei allen anderen bezweifle ich das stark.
Generell sollte man sowieso keine sensiblen Daten in der Cloud speichern. Falls doch, dann selbstverständlich nur verschlüsselt. Verschlüsselte Dateien lassen sich auf dem Mobiltelefon natürlich nicht so ohne weiteres nutzen. Das ist unkomfortabel. Darum macht man es halt nicht.
Genau hier sehe ich die große Gefahr von selbst gehosteten Diensten. Nicht nur Endnutzer hören von ownCloud, sondern auch die freundlichen Hacker von nebenan. Und wenn diese sich erstmal auf ownCloud eingeschossen haben, sollte man besser keine umverschlüsselte Datei mit dem Namen Kreditkarte.txt in seiner Cloud gespeichert haben.

Dropbox, Skydrive und GoogleDrive gewinnen auch hier durch langjährige Erfahrung, bzw. Personalstärke.


Die Machbarkeit

Einen Dropbox-, Skydrive- oder Google-Account kann (fast) jeder anlegen. ownCloud auf einem eigenen Server installieren sicher nicht. ownCloud, das jemand anderes für einen installiert hat, nutzen ist wiederum kein Problem. Hier bleibt dann nur zu hoffen, dass auch in regelmäßigen Abständen die serverseitige Software aktualisiert wird um schlimmeres zu verhindern.

Zur Zeit ist ownCloud ein Dienst für Nerds und Geeks, bzw. IT-Professionals aber sicher nicht für den Durschnittsnutzer.


Fazit

So schön es sein mag Herr seiner eigenen Cloud zu sein und immer alle (wichtigen) Daten verfügbar zu haben, so sehr sollte man dabei an Zeitaufwand, Kosten und Datensicherheit denken.
Zur Zeit traue ich einem Dienst, der eine Monatsgebühr für seine Leistungen verlangt in Punkto Sicherheit mehr, als einer Lösung für deren Sicherheit ich letztlich völlig alleine verantwortlich bin.

Für alle jenen, die Google & Co. nicht (genug) trauen gibt es auch andere Alternativen, wie die Western Digital My Book Live Reihe oder anderen NAS Systemen, bei denen die Daten auf einer lokalen Festplatte lagern und durch eine App / ein Webinterface von überall zugänglich sind.

Ein anderer Artikel zum Thema Cloud-Dienste:

Copy – und noch eine neue Wolke

2 Kommentare

  1. Nasendackel

    naja, preislich… ich kann auf meinem account auch noch meinen blog hosten (3 domains im Preis enthalten).

    Sicherheit: Hatte dropbox nicht mal das Passwort im Klartext.

    Datenschutz hast du vergessen. Leider darf ich beruflich bestimmte Daten nicht auf amerikanische Server packen. Selbst wenn ich sie mit AES265 verschlüssele, packe ich sie auf amerikanische Server.

    Klar ist Dropbox einfach und Otto-Normal-User sollte es benutzen. Nur kritisch sollte er bleiben. Für mich passte es nicht mehr. Preislich, Sicherheitstechnisch und aus Datenschutzgründen.

    April 2, 2013 um 9:59 pm

    • Malte

      Mir geht’s da ähnlich – hab 60GB Platz (abzüglich Kleinkram) auf meinem Server über.
      One.com bietet aber schon eine fertige Cloud-Lösung an, daher spare ich mir die extra Mühe.

      Das sollte der Artikel auch zeigen: nichts für den Durchschnittsnutzer, für den technik-affinen Mensch mit Hang zu Basteleien durchaus interessant.
      Und der Datenschutz bleibt natürlich ein nicht auszuräumendenes Argument.

      April 2, 2013 um 10:08 pm